Leseprobe: Interview mit Peter Bastine – Picture Discs

Solche Platten liegen sicher nicht in der Flohmarktkiste. Wie kamen Sie da ran?

Es lief alles schriftlich. Es gab kein Internet, sogar kein Fax. Früher ging alles per Brief und über Kleinanzeigen in den entsprechenden Schallplattensammlerblättern wie dem „Oldie-Markt“ – vorher hieß der „Chatterbox“, glaube ich. In Amerika erschienen zwei Zeitschriften für Schallplattensammler, „Goldmine“ und „Discoveries“. „Goldmine“ hatte ich abonniert. Ein dickes Heft mit unheimlich vielen Kleinanzeigen. Das waren Originalvorlagen, die jeder, der so eine Anzeige schalten wollte, selbst mit der Schreibmaschine tippen musste. Ich hatte immer zwei Tage zu tun, um alles durchzugehen. Die Platten wurden überwiegend durch Auktionen verkauft. Für ältere Picture Records gab’s eigentlich nur Auktionen. Irgendwann haben Leute, die einen Plattenladen hatten, aber auch neue Picture Discs zu Festpreisen angeboten. Meine Bestellungen habe ich dann nach Amerika geschickt, mir hier Dollars besorgt und in bar bezahlt. Das war gar nicht anders möglich, ganz kompliziert.

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Das heißt, auch eine komplette Serie ist nie endgültig.

Ich habe festgestellt, gerade von der Vogue-Serie habe ich bestimmt über 4000 Stück in der Hand gehabt. Dabei gibt es nur 75 offizielle Nummern. Ich war früher „The Vogue Man“ in Europa. Vor 25 Jahren habe ich Vogues für ungefähr 35 Dollar gekauft und hier für 100, 150 D-Mark verkauft. Ich bin einmal nach Kanada geflogen zu einem Sammler, der wollte alles verkaufen. Die ganze Aktion hat sich über zwei, drei Jahre hingezogen. Ich bin mit leeren Koffern hin und mit vollen Koffern wieder zurück. Habe drei Vogue-Sammlungen und eine Saturne-Sammlung gekauft. Vom Gewicht her war’s verrückt. Vom Preis her war’s verrückt, weil die Sachen auch früher teilweise sehr teuer waren. Ich habe dann jede einzelne Vogue immer wieder verglichen. Immer wieder. Und wenn auf der einen ein Kratzer mehr war, kam die weg und die etwas bessere ins Regal. Man kann also sagen, meine Vogue-Sammlung ist das Beste von 4000 Stück.

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Plattensammler gelten oft als kauzig, irgendwie ein wenig weg von der realen Welt. Ist da was dran?

Ich glaube, dass es bei Plattensammlern genauso „Abgedrehte“ und „Normale“ gibt wie in anderen Bereichen. Ich will nicht sagen, dass Schallplattensammler den Querschnitt der Bevölkerung darstellen. Vielleicht sind sie ein wenig eigenbrötlerischer. Ich sehe mich eigentlich nicht so. Obwohl – ich bin am liebsten bei mir zu Hause, wo ich meine Ruhe habe. Wo ich die Sachen archivieren kann, ordnen kann. Das ist etwas, was mir Spaß macht. Aber ich bin da nicht typisch. Ich kenne sehr viele, auch Picture-Disc-Sammler, die stellen ihre Platten einfach so ins Regal, wie sie sie gekriegt haben, eine nach der anderen. Die sagen, dass sie danach sortieren, was ihnen am besten gefällt, und die ganz hässlichen würden sie in eine andere Ecke stellen. Ich kenne einen in Amerika, der stopft die Platten in der Garage in Kartons und stellt ständig neue davor. Er weiß also bald nicht mehr, was dahinter, in der zweiten und dritten Reihe, ist. Wenn man den fragt, ob er eine Platte schon hat, sagt er, dass er das nicht genau weiß, weil er sie auch nicht suchen kann. Die Leute sind eben alle verschieden. Und genau so verschieden gehen sie mit den Dingen um, die sie

sammeln.