Von Babyblau bis Blutrot

Von seiner absoluten Lieblingsband, den Red Hot Chili Peppers, besitzt Dario Vorusso eine ansehnliche Memorabilien-Sammlung: Goldene Schallplatten, Platin-Schallplatten, Auszeichnungen wie den MTV Award, Bühnenjacke von Anthony Kiedis, handgeschriebene Briefe. Aber, was natürlich auch nicht im Regal fehlen darf, sind Exemplare der beiden einzigen in farbigem Vinyl erschienenen LPs der Band. Denn da sind wir bei der anderen großen Leidenschaft des im Kraichgau lebenden Sammlers: LPs in farbigem Vinyl. 500 Stück hat er inzwischen zusammengetragen.

 

Dario, gibt es für farbiges Vinyl eine eigene Sammlerszene?

Die gibt es bestimmt. Aber ehrlich gesagt, beschäftige ich mich nicht groß damit. Ich präsentiere zwar meine Farbvinylplatten auf meiner Homepage – www.darios-vinyl.de –, aber ich kontaktiere selbst nur Leute, die ein Exemplar verkaufen, das ich haben möchte.

 

Wo machst du deine Funde?

Plattenläden und Börsen sind weniger mein Ding. Ich habe auch noch keinen Plattenladen gefunden, der farbiges Vinyl separat präsentiert. Da ich doch recht speziell sammle und eine genaue Vorstellung habe, was ich möchte, bewege ich mich fast nur im Internet, bei eBay und Discogs.

 

Wie ging’s bei dir mit dem Plattensammeln los?

Alles hat 1980 angefangen mit dem Kauf meiner ersten Platte, „Highway To Hell“ von AC/DC. Das war als Bon Scott, der legendäre AC/DC-Sänger, starb. Da war ich zwölf. Es war für mich damals das Größte, wenn ich 20 Mark zusammen hatte und mir eine LP kaufen konnte. Nach „Highway To Hell“ kam „Back In Black“, dann die ganzen „New Wave of British Heavy Metal“-Bands: Iron Maiden, Judas Priest, Saxon, Motörhead und so weiter. Aber Ende der 80er war erst mal Schluss mit der LP. Mit der CD konnte ich mich nie wirklich anfreunden.

 

Was steht aktuell in der Sammlung?

Zirka 1000 LPs, wenige EPs, ungefähr die Hälfte sind farbige Platten. Meine CDs habe ich vor Jahren alle verkauft. Natürlich habe ich sie vorher digitalisiert, das reicht mir. Zu Hause höre ich eh nur Vinyl. Musikrichtung Rock, Hardrock, Heavy Metal. Red Hot Chili Peppers, Police, 3 Doors Down, aber auch Typen wie David Bowie, Frank Zappa, Kultbands wie Kraftwerk, viele alte Bands natürlich, Beatles, Stones, Pink Floyd, Led Zeppelin, Doors. Ein zweiter Sammelbereich sind Soundtracks, Filmmusik.

 

Die erste farbige Platte?

„Highway to Hell“ gab es ja damals schon als deutsche Pressung in orangefarbenem Vinyl. Ich war total fasziniert, hatte aber selbst nur die normale schwarze Version. Meine erste Colored Vinyl habe ich mir aber erst 1988 gekauft, „Release From Agony“ von Destruction in weißem Vinyl.

 

Nicht jede farbige Platte ist einfarbig. Was sind die Unterschiede?

„marbled“ sind meistens gemischt farbige Platten, die aussehen wie Marmor. Sie können aber auch einfarbig sein und man erkennt die Marmorierung nur, wenn man die Platte gegen das Licht hält. Platten, die aussehen, als wären Farbspritzer drauf, nennt man „splatter“. Bei „multicolor“ sind es mehrere Farben, die aber nicht unbedingt ineinander laufen. Bei „swirled“ laufen die Farben ineinander. „split“ heißen Platten, bei denen auf einer LP-Seite zwei voneinander getrennte Farben sind. Es gibt aber auch Varianten, bei denen eine Split-LP Splatter mit drin hat oder Swirled mit Splatter.

 

Deine Favoriten?

Ich mag sehr die marmorierten Scheiben, vor allem sehen die zum Teil auch edel aus, wie einige bernsteinfarbene Platten, die ich habe. Aber auch Splatter Vinyl, Multicolor und die einfarbigen – ich mag sie alle.

 

Gibt es auch Alben, die auf jeder Seite verschieden farbig sind?

Gute Frage, da wurde nämlich vor wenigen Wochen die erste LP hergestellt. So hat es zumindest das Label Waxwork Records verkauft. Es geht um den Soundtrack von „Rosemary’s Baby“, eine Seite Babyblau und die andere Seite Blutrot. Es wurden nur 200 Stück in dieser Version gepresst. Anfangspreis 20 Euro, nach acht Wochen im Internet nicht mehr unter 150 Euro zu bekommen. Ich habe zwar eine Laurel-und-Hardy-LP, die auf der einen Seite gold und auf der anderen Seite silbern ist, das sind aber Folien, also das gleiche Prinzip wie bei Picture Discs.

 

Was ist für dich wichtiger: Musik oder Aussehen der Platte?

Zu 95 Prozent sammle ich, was ich wirklich gerne höre. Ich habe aber auch ein paar Platten, die ich nur wegen des Aussehens gekauft habe.

 

In den 70er Jahren war eine Hochphase für farbiges Vinyl. Wie viel wird heute produziert?

In den letzten Jahren waren die farbigen Platten schwer im Kommen, vor allem als stark limitierte Sammlerstücke. Es gibt zehn bis zwölf Labels, die sich darauf spezialisiert haben.

 

Wie hoch sind die Stückzahlen?

Normalerweise werden zwischen 200 und 2000 in Farbe gepresst und dann geht es in schwarz weiter. Ausnahme zum Beispiel die Soundtrack-LP zu „Inception“ mit Leonardo Di Caprio und den Kompositionen von Hans Zimmer. Die wurde 1000-mal in klarem Vinyl veröffentlicht und das war es, keine weiteren schwarzen Exemplare. Für diese Scheibe muss man im Internet inzwischen 400 bis 500 Euro hinlegen.

 

Kannst du ein paar Labels aufzählen?

Music On Vinyl produzieren zwischen 500 und 2000 Stück in farbigem Vinyl, bevor in schwarz gepresst wird. Richtig gute Sachen, vor allem auch in einer hervorragenden Pressqualität. Das italienische Label Night of the Vinyl Dead presst nur, was vorher noch nie auf Vinyl erschien, zirka 300 bis 400 Stück, die sind sehr begehrt. Nuclear Blast machen farbige LPs, die zum Teil auf nur 100 Exemplare limitiert sind. Weitere Labels: Mondo, Waxwork Records, Back On Black oder High Roller Records, um nur einige zu nennen.

 

Gerade bei Bootlegs wird sehr viel in farbigem Vinyl raus gebracht. Das ignorierst du aber komplett.

Ich sammle nur Platten, die bei einem Interpreten in der offiziellen Diskografie stehen. Bootlegs gibt es in Massen, auch in farbigem Vinyl, da geht für mich der Reiz verloren, ganz zu schweigen davon, dass die Soundqualität oftmals sehr zu wünschen übrig lässt.

 

Hast du von den farbigen Platten zusätzlich eine Ausgabe in schwarzem Vinyl?

Selten. Gibt es zwei Versionen von einem Album, das mich interessiert, habe ich immer die Farbversion.

 

Weshalb wird eigentlich überwiegend in schwarz gepresst?

Weil man dabei recyceltes Vinyl verwenden kann. Bei einer farbigen Platte muss immer reines Vinyl verwendet werden. Natürlich kommen wir hier zu dem Thema: Klingt eine schwarze Vinylplatte besser, weil zum Beispiel das schwarze Vinyl ölhaltiger ist und sich somit besser von der Presse lösen lässt?

 

Und? Klingen die Schwarzen besser?

Hier gibt es meiner Meinung nach die abenteuerlichsten Geschichten. Ich sage dazu nur, dass es schlechte schwarze und gute farbige Pressungen gibt und umgekehrt. Bei Picture Discs ist das was anderes, die klingen definitiv schlechter, aber auch da gibt es natürlich Unterschiede.

 

Welche Picture Discs sammelst du?

Nur Soundtracks. Ich habe alle 12-Inch-Picture-Discs von Disney und von Laurel und Hardy. Ansonsten nur welche von den ganz großen Filmen, von denen es keine farbigen Vinylplatten gibt, wie „Jurassic Park“ oder „E.T.“. Die einzige Picture Disc, die nichts mit einem Soundtrack zu tun hat, ist die bekannte „Medusa“.

 

Soundtracks sind ein wichtiger Teil deiner Sammlung.

Genauso wie ich großer Musikfan bin, bin ich auch großer Filmfan. Gerade die Soundtracks von den großen Komponisten wie Hans Zimmer, John Williams, Marco Beltrami, John Barry, Howard Shore und so weiter sind sehr schön anzuhören. Das Bedauerliche ist, dass es von den größten Blockbustern den Soundtrack nicht auf Vinyl gibt, sondern nur auf CD.

 

Ein paar Highlights aus deiner Sammlung mit Filmmusik?

„The Great Gatsby“, zwei LPs, nicht aus Vinyl, sondern aus Metall, eine vergoldet, eine mit Platin überzogen, aber keine Awards, verpackt in einer aufwändigen Holzbox, davon wurden 100 Stück gemacht. „Cinderfella“ mit Jerry Lewis von 1960 in Multicolor Vinyl, ist sehr begehrt.

 

Von den Soundtracks abgesehen – auf welche Platten bist du besonders stolz?

Da gibt es einige. Ich kaufe mir lieber eine teure seltene Platte, als für das gleiche Geld mehrere normale Scheiben. Das ist auch der Grund, warum in meiner Sammlung „nur“ zirka 1000 Platten stehen. Ein paar Beispiele: Rolling Stones, „Sticky Fingers“, als tschechische Nachpressung vom Label Globus International in grünem Splatter Vinyl. Ich habe mal von einem ehemaligen Mitarbeiter der Plattenfirma die inoffizielle Mitteilung bekommen, dass von dieser Variante nur 50 Stück gepresst wurden. Meine rote kolumbianische Pressung vom Ozzy-Osbourne-Album „Ultimate Sin“ ist ebenfalls ultra rar. Die Led-Zeppelin-Box „The Song Remains The Same“ mit vier weißen Vinylplatten gibt es auch nur 200-mal.

 

Was steht auf der Suchliste?

Die beiden Metallica-Boxen „Death Magnetic“ und „Black Album“ in weißem Vinyl. Von jeder Box wurden nur 50 Stück gemacht. Das AC/DC-Album “If You Want Blood You’ve Got It” als holländische Splatter-Vinyl-Pressung aus den 70ern, davon wurden 500 Stück gepresst. Irgendwann möchte ich die einzige Farbvinylplatte von Michael Jacksons „Thriller“ haben, eine weiße Pressung aus Ecuador.

 

Zu den Preisen von farbigen Platten: Welche werden am höchsten gehandelt?

„The Wall“ von Pink Floyd als orangefarbene italienische Pressung bekommt man nicht unter 3000 Euro. Auch für einige kolumbianische Pressungen in blauem Vinyl von Pink Floyd oder Queen muss man teilweise sogar fünfstellige Eurobeträge hinblättern. Schwedische farbige Pressungen von verschiedenen U2-Alben kosten auch mehrere Tausend Euro.

 

Und was kostet eine neue farbige Platte im Vergleich zu einer schwarzen?

Bei Neuerscheinungen gibt es keinen großen Preisunterschied. Da liegen die Platten zwischen 20 und 30 Euro. Ist die farbige aber nur auf wenige Exemplare limitiert, muss man bei einer Neuerscheinung auch schon mal das Fünffache bezahlen.

 

Wird man eigentlich von anderen Sammlern belächelt mit diesem Sammelgebiet?

Bestimmt, aber das ist mir egal. Was zählt ist doch die Leidenschaft und die Freude, die man damit hat, egal was jemand sammelt. Ich bin mir sicher, dass viele auch meine Sammlung cool finden.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Franny (Samstag, 05 Juli 2014 00:28)

    Sehr interessanter Beitrag oder besser gesagt: Interview! :-)