Cover-Lover

Grob gesagt, sind Plattencover nichts als Versprechungen, Reklame halt. Aber auf die fallen wir ja alle gerne mal rein. Eine Platte kaufen, bloß weil die Hülle einen anmacht, ist schließlich der wahre Kitzel. Jasowas, denken wir dann daheim, wenn sich die schlaffe Punkscheibe dreht, jasowas, die Jungs zeigen doch alle den Stinkefinger auf dem Cover. Aber: no risk no fun. Und egal wie dröge die Musik auf der Platte auch sein mag – das verheißungsvolle Cover bleibt. Als eine von Plattensammlers Lieblingsbeschäftigungen gilt deshalb: Plattencover ansehen und überlegen, ob sich’s lohnt, zuzuschlagen. Das geht im Internet am allerbesten, weil’s da am allermeisten Cover zu betrachten gibt.

 

Wer sich erst mal einen Einblick in die Anfänge der Covergestaltung verschaffen möchte, findet auf einer Seite, die sich mit dem Label Remington Records befasst, einen einleitenden Text inklusive verschiedener Beispiele von Alex Steinweiss und anderen frühen Designern. Dass Steinweiss, wie oft behauptet, Erfinder des gestalteten Plattencovers ist, wird allerdings an anderer Stelle widerlegt (siehe Vortrag mit Abbildungen vom 22. Mai 2010 von Mike Biel: Illustrated Record Album Covers Before Steinweiss).

 

Wer sich lieber gleich eine Überdosis Hüllen abholen möchte, klickt bei der Datenbank rateyourmusic.com auf Album Cover Themes: The Master List, wo die abseitigsten Kategorien aufgeführt sind: Cover, die High Heels, Teddybären, Che Guevara, den Vollmond, das Peace-Zeichen, Toiletten oder den Teufel abbilden, weiße, pinke oder „zu farbige“ Cover. Album Cover Artists: The Master List versammelt die Macher der Hüllen, recht umfangreich, wenn auch so berühmte Namen wie Reid Miles oder Malcolm Garrett fehlen.

 

Die Kategorien, nach denen auf lpcoverlover.com sortiert wird, gehen von Chicks with Guitars oder Records and Players über Hüllen von Soundtracks und Hüllen mit Superhelden bis zu Drogenplatten. Im Gegensatz zu Rate Your Music ab und an auch mit ein paar Infos zu den Platten. Außer den LP-Hüllen gibt’s Hunderte von 45ern sowie Tipps wie man schmutzige oder beschädigte Cover restauriert und wie man ein Cover optimal fotografiert.

 

Der schwedische Jazz-Platten-Versand Birka Jazz hat ein Archiv von Cover-Abbildungen online gestellt, geordnet nach Labels (USA) und Ländern (Europa), ergänzt mit „some notes about labels, designers, photographers, and the music itself in a historical perspective.“ Allein die Beispiele mit deutschen Jazzalben-Cover lohnen oder die wunderbaren Illustrationen von David Stone Martin aus den 50ern oder die Blue-Note-Sachen. Apropos Blue Note: Auf der Seite The Font Feed findet sich eine spannende Gegenüberstellung von Coverdesigns – und eines Musikvideos –, die sich an Blue-Note-Cover anlehnen.

 

Wer das Thema Schriftgestaltung auf Plattenhüllen vertiefen möchte, bleibt noch eine Weile auf The Font Feed und liest die Platten-Besprechungen bei My Type of Music oder schaut sich 50 Years of Typography in Album Covers an.

 

Höchstes Vergnügen beim Stöbern in Plattencovern bereiten die – meist unabsichtlich – schlecht gestalteten, grotesken, kuriosen, hässlichen Hüllen. Drei Empfehlungen: auf Hub Pages die Sammlung von Bizzare Record Album Covers (hier Teil 1, Teil 2, Teil 3) und bizzarerecords.com, wo die Merkwürdigkeiten sich fortsetzen. Zu den Abbildungen liefern beide Seiten Textinfos, Soundbeispiele, Videos. So erfahren wir etwa, dass der US-Soulsänger Jerry „Swamp Dogg“ Williams nicht nur auf Ratten reiten kann, sondern auch ganz ordentliche Musik macht. Ein bisher 130-seitiger Thread im Forum des Rolling Stone hält ebenfalls, was sein Titel verspricht: Real Strange Cover Artwork.

 

An der Grenze zwischen schlecht gemacht und Kult sind viele Hüllen aus der Abteilung Hip-Hop. Probate Zutaten bei The 100 Worst Hip-Hop Album-Covers of all Time: Sex und Gewalt. Noch mehr Sex gibt’s bei Awesome Borderline Pornographic Album Covers. Im Grunde macht die beste Reklame für eine Platte sowieso erst jene Hülle, die – für die Hüter der Moral – so anstößig ist, dass sie zensiert wird. Die jeweils verbotene und erlaubte Version zeigen diese 20 Beispiele, darunter Klassiker wie „Virgin Killer“ von den Scorpions oder Bowies „Diamond Dogs“.

 

Ausklappbare Cover – die Königsdisziplin des Coverdesigns – werden im Forum des Rolling Stone gezeigt: Berühmtheiten wie die nackten Mädchen in der UK-Version von „Electric Ladyland“ von Hendrix oder „Black Moses“ von Isaac Hayes, Unbekannteres wie Killing Jokes erste LP oder das Panoramafoto von „Paul’s Boutique“ von den Beastie Boys – mehr über die Entstehung des Fotos findet man hier.

 

Die Liste mit Links könnte kreuz und quer ewig weitergehen: mit Reggae-

oder Bossa-Nova-Covern, mit Covern von asiatischen Pop-Platten der 60er und 70er oder mit Covern, die Motorräder abbilden – hier und hier – oder mit der für Sammler sehr hilfreichen, nach Labels geordneten Auflistung von Single-Lochcovern.

 

Spannend auch, wenn jene, die ein Cover gestaltet haben, selbst über ihre Arbeit sprechen. Peter Saville etwa, der ein paar Hintergründe zu seinen legendären Entwürfen für Joy Division und New Order offenlegt. William Stout, der über seine Illustrationen für die Bootlegs des Labels Trade Mark of Quality erzählt (hier Teil 1, Teil 2, Teil 3).

 

Wer immer noch nicht genug hat, schaut in die Bücherliste zum Thema. Aber ehrlich gesagt, könnte man jetzt auch mal wieder eine Platte auflegen.

 

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Kommentare: 10
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