Wenn Dick James draufsteht, wird’s teuer

Dick James, der Sänger – nie gehört? Seine Karriere begann in den 30er, 40er Jahren in Londoner Tanzbands, 1949 gründete er die Gesangsgruppe Stargazers, die zwei Nummer-1-Hits landete. 1953 schließlich, da war er 32, kam ihm die Erkenntnis, dass er „fett und glatzköpfig als Sänger keine große Zukunft“ haben würde und er suchte sich einen Job bei dem Musikverlag Sidney Bron Music Co. Mit dem Singen machte er trotzdem weiter, solo. Bis Ende der 50er nahm er bei Parlophone unter dem späteren Beatles-Produzenten George Martin 20 Singles auf, darunter seine 1956 veröffentlichte erfolgreichste Platte, den Titelsong für die TV-Serie „The Adventures Of Robin Hood“. Die Platte verkaufte sich eine halbe Million Mal und brachte Dick James eine Gage von 100 Pfund ein.

 

Dick James, der Musikverleger – könnte man schon eher kennen. 28 Hits, von denen fünf auf Nummer 1 stiegen, gelangen ihm bei Sidney Bron. Kann ich auch alleine, dachte er sich und machte am 18. September 1961 in London seine eigene Firma auf: Dick James Music Publishing Ltd. Das erste Jahr verlief ohne große Vorkommnisse. Oktober ’62 dann ein Anruf von George Martin. Brian Epstein, der die Beatles und einige andere Liverpooler Interpreten managte, sei auf der Suche nach einem Musikverlag, der sich für ihn ins Zeug legen würde. Treffen zwischen James und Epstein, man schätzte sich, beschloss zusammenzuarbeiten und in den nächsten sieben Monaten brachten sie sieben Songs auf den ersten Platz der Charts: von den Beatles, Gerry And The Pacemakers, Billy J. Kramer.

 

Dass Dick James mit Brian Epstein zusammenkam, war unverschämtes Glück. Aber er beherrschte auch die Tricks und Winkelzüge, die man scheinbar braucht, um was zu werden in diesem Geschäft. Keinen schlechten Deal machte er mit Northern Songs, dem Musikverlag, der sich eigens um die Rechte der Beatles-Songs kümmern sollte, von James, Epstein, John Lennon und Paul McCartney am 22. Februar 1963 gegründet, verwaltet von Dick James Music. In den kommenden Jahren wurde James reich und reicher und zu einem der mächtigsten britischen Musikverleger. Die Fab Four fühlten sich allerdings nicht immer gut beraten und er verscherzte es sich endgültig mit ihnen, als er 1969 seine Anteile an Northern Songs an den TV-Sender ATV verkaufte, ohne sie darüber zu informieren. Noch ein weiteres Mal schaffte es Dick James in die Popgeschichtsbücher: als Entdecker von Elton John. 1986, drei Monate nach einem Schadensersatzprozess, den Elton John gegen Dick James Music führte und gewann, starb Dick James.

 

Karriere hat Dick James aber auch bei Plattensammlern gemacht, denn sein Name verweist auf die erste Pressung von „Please Please Me“, des ersten Albums der Beatles. Schuld daran: George Martin, als er die Titelfolge der Platte notierte, um sie für den Druck des Labels an die Druckerei weiter zu geben. Martins Fehler war, dass er zusätzlich zu den bereits unter Dick James Music als Single veröffentlichten Songs „Please Please Me“ und „Ask Me Why“ vier weitere Lennon/McCartney-Nummern dem Musikverlag von Dick James zuschrieb. Korrekt gewesen wäre, sie den zwei Wochen zuvor gegründeten Northern Songs zuzuschreiben. Das Album „Please Please Me“ erschien also zuerst mit einem fehlerhaften Label, in der Mono-Version PMC 1202 am 22. März 1963, in der Stereo-Version PCS 3042 einige Wochen später. Ab der zweiten Pressung gehen die Credits auf dem Label dann richtigerweise an Northern Songs. April 1963 kamen kurioserweise auch noch Pressungen heraus, die auf der ersten Seite das Label mit Northern Songs und auf der zweiten Seite das mit Dick James hatten. Ganz leicht sind die beiden ersten Pressungen an dem alten Parlophone-Label – schwarz mit goldener Schrift – zu erkennen. Ab der dritten Pressung erschien „Please Please Me“ mit einem neu designten Label, schwarz mit gelber Schrift.

 

Die erste Pressung in der Stereo-Version gehört zu den gesuchtesten Beatles-Platten. Sie steht in einer Reihe mit „The Beatles & Frank Ifield On Stage“ mit dem Portraitcover oder „Yesterday And Today“ mit dem Butcher Cover. Wie gesucht, konnte man in den letzten Tagen auf dem englischen eBay verfolgen. Da fand zwischen dem 17. und dem 24. Juli nicht nur die zweite Pressung gleich in mehreren Exemplaren ihre Käufer, sondern auch die erste, in Stereo und in Mono. In dürftigem Zustand – Good Minus / Fair – brachte die zweite Pressung (Northern Songs) 174,99 Pfund (224,82 Euro), in Very Good Plus / Very Good Plus 360 Pfund (462,50 Euro). Für die Erstpressung (Dick James Music) in Mono musste schon das Dreifache hingeblättert werden: 983 Pfund (1262,89 Euro). Eingestuft mit Excellent Minus / Very Good Plus wurde sie angepriesen als „final upgrader“, weil’s zweifellos kaum möglich sei, die Platte in noch besserem Zustand aufzutreiben. Die Stereo-Version wurde vom gleichen Anbieter als „Holy Grail“ angekündigt, die Zustandsbeschreibung fiel etwas zurückhaltender aus: Very Good Minus / Very Good. Die Bieter hielt das nicht ab. Das letzte Gebot lag schließlich bei 2800 Pfund (3597,25 Euro).

 

Für 19,99 Pfund „Sofort-Kaufen“ konnte man übrigens die 78er „Robin Hood“ von Dick James. Wollte aber keiner.

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Lisa Kruss (Donnerstag, 01 Dezember 2016 11:01)

    Dick James.. Noch nie gehört...

    Lg Lisa

  • #2

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